Das Märchen vom Bundesradio

[Wer sich diese kleine Geschichte nicht durchlesen, sondern sich lieber anhören möchte, sollte sich unseren ersten Podcast-Eintrag herunterladen: BR000 Nullnummer.]

Das Wichtigste gleich zuerst: Bundesradio ist ein Experiment. Nicht mehr, nicht weniger.

Vor ungefähr einem Jahr kamen wir – Tim Pritlove und Philip Banse – auf die Idee, einen neuen Podcast zu starten, der sich einem Thema widmet, das in traditionellen Medien oft behandelt wird, als wüßten alle, wovon sie reden: der Bundespolitik.

Wir haben uns beide aus unterschiedlichen Richtungen dem Reichstag genähert. Tim hat mit seinem Hintergrund beim Chaos Computer Club und seiner Arbeit für Chaosradio und vor allem Chaosradio Express immer wieder netzpolitische Themen behandelt. Philip ist als freier Journalist vor allem für den Deutschlandfunk viel im Bundestag unterwegs.

Doch jeder von uns hat das Gefühl, mit seinem Format Politik nur von einer Seite beleuchten zu können. Wir wollen wissen, wie sie sich anfühlt, wie sie riecht und vor allem: wie das politische System funktioniert. Philip hatte diffuse Ideen, Tim lieferte per Chaosradio Express die Folge “Politik für Anfänger”, das passte. Wir wollten mal anders an den Reichstag ranpirschen und bastelten fleißig an einem Konzept. Drüber stand: Bundesradio.

Die Idee war eigentlich ganz einfach: Wir latschen in den Bundestag (und andere Orte im Regierungsbezirk) und berichten von innen. Wir befragen, hinterfragen, erläutern und erklären, wie der Maschinenraum unserer parlamentarischen Demokratie funktioniert und versuchen klarzumachen, wo jeder ein paar Zahnräder drehen kann.

Wir wollten Ausschusssitzungen besuchen, Verwaltungsmenschen befragen, das politische Geschehen und den ganzen Klimbim herum analysieren, die Akteure portraitieren.

Aber es gab natürlich einige Probleme: Das Ganze würde sehr viel Zeit und daher eine Menge Geld kosten. Um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie viel Arbeit Bundesradio tatsächlich erwartet, entschlossen wir uns, einfach mal anzufangen. Am Ende hatten wir drei Sendungen produziert, die seitdem auf Halde lagen. Mit den Sendungen sind wir zu verschiedenen Institutionen, Stiftungen und sonstigen Menschen gelaufen, um zu schauen, ob wir für die Idee (finanzielle) Unterstützung bekommen können. Das Ganze war sehr zäh und am Ende kam nichts so recht voran.

Unsere Stärken liegen nicht im Fundraising und so machen wir, was man im Netz halt so macht, wenn’s richtig toll werden soll: Bundesradio geht online “as is” und wir gucken, was passiert. Das ist Stand heute. Wenn ihr also diesen Podcast abonniert, werdet ihr in den kommenden Tagen diese ersten drei Folgen herunterladen und anhören können. So weit, so gut.

Seit das Konzept “Bundesradio” die Welt erblickte, hat sich einiges verändert. Der Protest gegen das Zensurerleichterungsgesetz hat die Netzgemeinde in einer Form politisiert und mobilisiert, wie es vor 12 Monaten so nicht absehbar war. Politik ist auf einmal wieder ein Thema, und Phänomene wie die Piratenpartei künden von einer großen Bereitschaft, sich auch selbst einzubringen.

Da wir uns ja auch selbst als Teil dieser Bewegung verstehen, ist für uns eine “neutrale” Position ohnehin schwierig. Das betrifft natürlich auch das Konzept von Bundesradio. Wir sind selbst involviert und würden gerne mehr zum Verständnis von politischen Prozessen beitragen. Neutralität my ass.

Das Wahlstudio

Um zu zeigen, wie Bundesradio aussehen und klingen könnte, haben wir uns entschlossen, anlässlich der anstehenden Bundestagswahl unter dem Label “Bundesradio” eine Sondersendung zu machen: Das “Wahlstudio 2009” wird eine Live-Sendung in Ton und Bild werden. Am Abend der Bundestagswahl versuchen wir, Hintergründe der politischen Ereignisse aus Sicht von Netzbewohnern zu beleuchten. Das Ganze hat den erwünschten Nebeneffekt, dass wir die ursprüngliche Motivation des Projekts mal offen dokumentieren und die bisher produzierten “Nullnummern” publizieren.

Im Wahlstudio werden wir verschiedene Leute einladen und im Gespräch versuchen, ein Resumé dieses aufgeregten Jahres zu ziehen und die Konsequenzen des Wahlergebnisses zu diskutieren.

Das Wahlstudio wäre nicht möglich ohne die Unterstützung einiger toller Leute, die Bock haben, mal eine ganz andere Berichterstattung aufzuziehen: Die Bundestagswahl aus der Sicht von uns Netzbürgern.

Wir produzieren das ganze quasi mit Nullbudget, und es wird wahrscheinlich eine Menge schief gehen oder zumindest nicht so toll sein, wie wir und Ihr Euch das vielleicht wünschen würdet. Aber der Versuch zählt, und wir sind natürlich auch für jede Unterstützung dankbar, wenn Euch die Idee was gibt.

Das Ganze ist, wir haben es ja schon erwähnt, ein Experiment. Und wir hätten Euch gerne dabei. In den nächsten Tagen und Wochen werden wir schrittweise von unseren Fortschritten und Problemen berichten und zwischendurch nach und nach die drei Nullnummern veröffentlichen.

Am 27. September 2009 werden wir dann – voraussichtlich ab 15 oder 16 Uhr – live aus dem Betahaus in Berlin senden. Dort werden wir im Café im Erdgeschoss eine kleine Bühne aufbauen und die Wahlgeschehnisse begleiten. Ihr könnt also analog dabei sein ;)

Passenderweise schließt das Wahlstudio an die Atom and Bits Konferenz an, so dass wir auf ein bisschen Publikum hoffen. Für alle anderen sind wir natürlich live zu empfangen, und wer sich zur Wahl einschliesst, wird die Sendung später als Podcast abgreifen können.

11 Gedanken zu „Das Märchen vom Bundesradio“

  1. klingt interessant, aber nach 20min könnte ich keinen Bierdeckel mit neuen Infos oder interessanten Themen füllen. Großes Durcheinander, keine echte Gliederung (zB. 5min Block je ein SubThema). Das Thema Geld/Finanzierung/Stiftung kam mehrmals so gedrückt zwischendurch, statt einmal ganz deutlich. Bitte vorher festlegen/aufschreiben und zwischendurch immer als roten Faden nennen.
    Bitte verbessern, denn ich hege große Hoffnungen in dieses neue Format! :-)

  2. Jungs, wenn ihr so weiter macht, zahlt ihr meinen naechsten ipod, denn ihr habt auf der kiste momentan (verdiente) redehoheit.
    aber singen tun gott sei dank andere.

  3. Pingback: The Lunatic Fringe

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